die Kunst des Kochens

In der Oberstufe hatten wir einen Lehrer, dessen geflügelte Worte waren: „…und drinnen waltet die tüchtige Hausfrau…“ – er ging uns damit gewaltig auf den Senkel. Aber das wollte er vermutlich auch, ansonsten brachte uns kaufmännisches Englisch bei. Dear Sirs und Yours sincerely ist das einzige, was ich noch erinnere. Damals ist auch keiner, keine von uns auf die Idee gekommen, dass es im Geschäftsleben nicht nur Sirs gibt. Das war halt so. Die meisten von uns bewarben sich auf eine Stelle als Bankkaufmann. Auch wenn sie weiblich waren. Bankkaufmann war halt so. Ich wurde ja bekanntlich Beamte und da gab es die Amtmänninnen. Echt jetzt. Inspektor -> Oberinspektor -> Amtmann -> Amtsrat -> Oberamtsrat. So war das. Und als Frau kriegte man dann eine Urkunde als Amtmännin. Wirklich wahr!! Ich flunker nicht, so war das!! 😳

Eine Mutige Beamtin aus Münster  hat dann die Annahme der Beförderungsurkunde verweigert mit der Begründung, dass sie keine Männin sei sondern eine Frau. Sie hat geklagt und gewonnen. Danach gab es keine Männinnen mehr. Wie die Frau im Kollegenkreis betitelt wurde, könnt Ihr Euch ausmalen.

Ich weiß aber, dass auch für meine Ohren der Begriff Amtmännin normal war. Ich kannte es nicht anders. Zwar war ich noch weit von dieser Besoldungsstufe entfernt, aber ich zweifelte nicht daran, eines Tages auch eine Männin zu werden. Ich war 18, man möge es mir nachsehen 😇 die mutige Kollegin hat mir jedenfalls dieses Schicksal erspart 😎

Doch zurück zu dem Englischlehrer, der Jahrzehnte in Brasilien lebte und dort von seiner Frau verlassen wurde und mit reichlich Beziehungsfrust in seine Heimat zurück kam und fortan Frauen ablehnte, jedenfalls solche, die keine Hausfrau sein wollten. Wollten wir damals alle nicht. Deswegen nervte er uns mit diesem Spruch.

Er wird nicht mehr leben und wenn, dann wird er um die 100 sein, er wird vermutlich keine Sprüche mehr klopfen, aber er würde sich wundern, wenn er von meiner Kochleidenschaft erführe. Daran sind die Anthroposophen Schuld, in der Tat, denn als ich vor vielen Jahren in einem solchen Sanatorium war, hat das Ehepaar, das die Küche leitete – beides Ökotrophologen – nach dem Mondkalender gekocht. Ja, Ihr lest richtig, nach dem Mondkalender. Köstlich war es. Köstlich. Und die sagten die entscheidenden Sätze zu mir: ich müsse mit den Lebensmitteln liebevoll umgehen, ich müssen sie achtsam behandeln, in die Hände nehmen, bearbeiten, ich müsse kochen, als wolle ich dabei meditieren, ganz bei der Sache sein, mich nicht ablenken, meine ganze Aufmerksamkeit den Lebensmitteln widmen, sie spüren…

Hört sich vielleicht für einige schräg an, aber ich war von den Gedanken angetan, ich habe es versucht, als ich wieder zu Hause war. Natürlich ist mir das nicht gleich gelungen, aber herausgekommen ist am Ende eine Leidenschaft, die mir unglaublich viel Freude bereitet. Mein Freund sagt, ich sei beim Kochen völlig versunken. Ja, das stimmt, ich versinke dann die die Welt der Früchte und Gemüse, der Kräuter und Pflanzen, ich esse auch Fleisch, all das Bio, echtes Bio, kein Stempelbio. Vom Demeterhof. Für mich ist Kochen eine Leidenschaft geworden, es geht nicht nur um satt sein, es geht um die Zubereitung. Um die Arbeit mit den Dingen, von denen wir uns ernähren.

In Irland gibt es auch Organic. Und aus den Zutaten habe ich Lammgulasch bereitet. Köstlich!! Einfach nur köstlich!

3 Antworten auf “die Kunst des Kochens”

    1. Aber das war lecker, kann ich Dir sagen! Köstlich! Ich erinnere mich an kaum ein Rezept, aber wir haben uns alle die Finger danach geschleckt! Es waren viele Männer mit Burnout da, die rümpften die Nase, Mondkalender, Rote-Beete-Pizza, alles Unsinn… aber die waren es, die sich dann immer Nachschlag geholt haben. Ich habe das Rezepte-Heftchen, was wir mitbekamen, leider verloren, aber die Liebe zur Zubereitung von Speisen, die habe ich behalten.

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